Souveräner Titel für die Herren – geht es wieder nach oben?

Lange hatte es gedauert, die enttäuschende vergangene Saison zu verdauen, in welcher wir
den gerade errungenen Aufstieg in die Superbezirksliga wieder verspielten. In der
Prä-Corona-Zeit waren wir jedoch noch guter Dinge, mit gestärktem Teamgeist wieder den
Rückaufstieg schaffen zu können. Der leichte Motivationsdämpfer aufgrund des diesjährigen
Spielmodus der den Aufstieg bereits vor Saisonbeginn unmöglich machte, war schnell
überwunden und das Ziel unverändert, unserer Favoritenrolle in der Gruppe gerecht zu
werden.
Gleich zu Saisonbeginn mussten wir jedoch zunächst das chronische Problem der
Spielerknappheit in den Herrenmannschaften in den Griff bekommen. Glücklicherweise
konnten wir dieses Jahr auch auf die Veteranen der Herren 40 zurückgreifen, da deren
Gruppe coronabedingt nicht ausgetragen wurde. So wurde dann am ersten Spieltag gegen
die Gäste aus Moosach auch gleich Dauerläufer Ulf Henke ins Team berufen. Moosach trat im
Gegenzug dieses Jahr ohne ausländische Unterstützung an. Unsere Phalanx an jungen
Spielern machte dann auch relativ kurzen Prozess mit den Underdogs an den vorderen
Positionen, nur Ulf kostete sein Debüt in der Eichenauer Herrenmannschaft vollends aus und
lieferte sich bei brütender Hitze ein Marathonmatch. Der nach mehr als zwei Stunden
verwandelte Matchball komplettierte dann das 6:0 nach den Einzeln und machte die Doppel
im durchweg gelungenen Saisonauftakt zur Formsache.

Deutlich mehr zu kämpfen hatten wir am folgenden Spieltag gegen die Gäste aus Weilheim.
Drei glatte Siege standen einer verletzungsbedingten Aufgabe und einer engen Niederlage
gegenüber und so lag es an Daniel Classen, den aufgrund der traditionellen Eichenauer
Doppelschwäche so wichtigen vierten Punkt zu holen. In gewohnt nervenstarker Manier
schaffte er es dann auch, seinen Gegner mit der klassischen Linkshänderkombi aus Winkel
und Wuseln zu entnerven und am Ende in einem umkämpften Match einen 6:4-6:4-Sieg
davonzutragen. Doch gewonnen war noch nichts, schon oft genug war uns in Eichenau nach
einer 4:2-Führung noch der Sieg aus der Hand geglitten. Umso erleichterter waren wir, im
Doppel auf die Verstärkung von Neuzugang Christian Blankl zählen zu können, der letztes
Jahr noch in der Herren 30 Bundesliga aufschlug. Christian war es dann auch, der zusammen
mit Hendrik Kalarus den Sieg im Doppel eintütete.
Zum dritten Heimspiel durften wir in der Woche darauf die sympathische Truppe aus Pürgen
begrüßen. Letztes Jahr noch erstmalig in die Bezirksliga aufgestiegen, wartete mit uns nun
jedoch ein etwas zu schweres Kaliber auf sie. Verstärkt durch den gerade aus der
Verletzungspause zurückgekehrten Fabi Sielaff konnten wir in einer Rekordzeit von ziemlich
genau vier Stunden den dritten Sieg in Folge einfahren und hatten so außerdem noch die
Gelegenheit, unsere ebenfalls auf heimischem Boden spielende zweite Herrenmannschaft
zum Sieg zu pushen.

Mit einem großen grünen Haken hinter der ersten Saisonhälfte konnten wir mit einer Menge
Optimismus auf die drei nun noch auf uns wartenden Auswärtsspiele blicken. Den Anfang
bildete ein Besuch beim altbekannten SV Lochhausen, wo wir vor zwei Jahren unseren
damaligen Aufstieg in trockene Tücher bringen konnten. In fast identischen Aufstellungen
trafen wir nun erneut in der Bezirksliga aufeinander. Zu Beginn sah es jedoch nicht danach
aus, als könnten wir den souveränen 8:1-Sieg wiederholen. Insbesondere Hendrik Kalarus an
Position drei erwischte einen Kaltstart, der fast das ganze Match anhielt und zum
uneinholbar scheinenden Rückstand von 0:6 1:4 führte. Doch angefeuert von Familie und
Teamkameraden gelang Hendrik im Anschluss ein wahrlich ungeahntes Comeback, sodass er
einem zwischenzeitlichen 3:5-Rückstand zum Trotz den zweiten Satz für sich entscheiden und das Match im Champions-Tiebreak schließlich noch gewinnen konnte. Den letzten Stich in
den Einzeln setzte dann sogleich sein Bruder Yannik, der nach drei Tiebreaks als Sieger vom
Platz ging und somit das 5:1 nach den Einzeln sicherstellte. Komplettiert wurde der dann
doch überraschend glatte Sieg mit zwei Siegen aus den drei Doppeln.

Als Nächstes trafen wir auf einen Fast-Altbekannten wieder: so wie vergangenes Jahr ging es
am vorletzten Spieltag für uns zum ESV München, nur dieses Mal leider zur zweiten
Mannschaft – das Los des Absteigers eben. In gewohnter ESV-Tradition begann das Spiel dort
mit einer knapp zweistündigen Regenpause. Im Anschluss daran galt es für uns das durch
seine Homogenität herausstechende Team des ESV zu knacken, welches aus sechs nahezu
auf Augenhöhe spielenden Gegnern bestand. Naturgemäß hatten wir an den vorderen
Positionen leichtes Spiel, während unsere Spieler an den hinteren Positionen deutlich mehr
zu knabbern hatten. Als zwischenzeitlich ein Einzel sicher verloren war und drei in der
Schwebe hingen, erklärte sich unsere durch die ganze Saison hinweg von Verletzungssorgen
geplagte Nummer Eins, Luis Kleinschnitz, bereit für das Doppel einzuspringen. Doch
insbesondere der knappe Sieg von Stefan Feuerlein an Position drei brachte Entspannung in
die Situation und am Ende galt es “nur”, ein 4:2 nach den Einzeln zu verwalten. Dabei gaben
uns die Gegner auch kräftig Schützenhilfe, da ihr für das Doppel neu eingewechselter Spieler
leider auf der falschen Anlage erschien und ein Doppel somit kampflos an uns ging. Luis und
Benni ließen es sich dennoch nicht nehmen, ihr Einserdoppel mit gehöriger Intensität
anzugehen und in erhitzter Atmosphäre ein umkämpftes 7:6 6:4 zu erringen.

Mit fünf glatten Siegen aus den ersten fünf Spielen war somit bereits vor dem Saisonfinale der
erste Tabellenplatz gesichert, aber das beste Saisonspiel lag noch vor uns: am letzten Spieltag
waren wir auf der Anlage des TC Amperpark Emmering geladen und spielten somit das letzte
Heimspiel des Emmeringer Vereins, bevor dessen Anlage im Herbst einem
Wohnungskomplex weichen muss. Wir wussten also, dass uns ein emotionaler Wettkampf
bevorstand und dementsprechend fuhren wir auch zum ersten Mal in der Saison die
Nummern eins bis vier unserer Meldeliste auf, wobei Altstar Peter Brandersky sein Debüt für
die Herrenmannschaft in diesem Sommer gab. Doch zu Beginn leisteten die Emmeringer
erbittert Widerstand und so konnten Peter und Severin Erbach trotz deutlichen
LK-Vorsprungs erst im Match-Tiebreak davonziehen. Kurz nachdem auch Benni Classen das
3:0 nach der ersten Runde sichern konnte, musste das Spiel witterungsbedingt in die Halle
verlegt werden, doch auch der heimische granulatfreie Teppich brachte den Emmeringern
kein Glück und so gingen alle sechs Einzel an uns. Auch bei den Doppeln ließen wir nichts
anbrennen und so schütteten wir den Emmeringern bei ihrem letzten Sommerfest mit der
9:0-Klatsche einen kleinen Wermutstropfen ins Getränk, während wir nach Eichenau fuhren,
um unsere gelungene Saison mit einem angemessenen Rausch zu vollenden.
Ob unser Durchmarsch belohnt wird, bleibt abzuwarten. Zumindest die leise Hoffnung darf
man hegen, dass Mannschaften aus höheren Ligen zurückziehen und wir die so entstehende
Lücke in der Superbezirksliga füllen können. Sonst bliebe uns wohl nichts, als uns im Winter
in Form zu halten, um die diesjährige Saison nächstes Jahr zu wiederholen.