Roaring Reto – Landshuter Meisterschaften in Eichenau

Fotos Eichenau Indoors

Die nun bereits zum vierten Mal ausgetragenen Indoors, die nun erstmals in die Kategorie S4 der DTB-Turniere aufgenommen wurden, konnten auch in diesem Jahr wieder mit einer Top-Besetzung aufwarten. Nicht weniger als 422 Ranglistenpunkte erwarteten die Sieger der Konkurrenzen der Herren 40 und 50, was Spieler aus dem gesamten süddeutschen Raum anlockte – in der Meldeliste, die bei Nennschluss insgesamt 49 Spieler umfasste, schienen Vereine vom TC Markwasen Reutlingen, TC BW Zuffenhausen und TC Ludwigsburg über den TC Wolfsberg Pforzheim bis hin zum TC Rot-Weiß Cham und SV Wacker Burghausen auf. So fanden sich bei den Herren 40 alleine acht Spieler aus der deutschen Rangliste wieder, bei den Herren 50 derer sechs.

Herren 40

Naturgemäß versprach dies ein hochklassiges Feld und dementsprechend schwere Aufgaben für die Lokalmatadore aus Eichenau. Doch davon ließ sich Herren 40-Neuzugang Bernd Weindler (LK7) nicht schrecken. In frechen Mandarin-und Bonbonfarben gewandet, spielte er keck auf und erreichte nach drei Siegen das Halbfinale. Im Viertelfinale gelang ihm hier zu mitternächtlicher Stunde das Husarenstück im MTB einen 1:6-Rückstand in einen 3:6 6:2 10:7-Sieg umzuwandeln und seinem Gegner Stefan Sander (LK7/TV Bellenberg) eine sicherlich unruhige Nacht ob dieser ausgelassenen Riesenchance zu bescheren. Im Halbfinale schlug sich Bernd wacker, konnte aber gegen das sichere und druckvolle Spiel des amtierenden bayerischen Meisters der Herren 45 auf Sand, Markus Huber (LK5/TC Rot-Weiß Landshut), wenig ausrichten und unterlag mit 1:6 und 4:6. Vielleicht hätten ja einige fettige Wantans anstelle des Glasnudelsalats beim „chinesischen“ Vorabend für den nötigen Bums gesorgt, um dem Dominator des Turniers Paroli bieten zu können. Aber trotzdem: guter Mann, darf bleiben! Die zweite Eichenauer Verstärkung und Nummer sechs des Turniers, Oli Hennig (LK6/DTB-Nr.74 H45), konnte den Erwartungen jedoch nicht ganz gerecht werden. Seine starke Vorhand hatte er wohl in der Höhenluft der Europameisterschaften von Seefeld vergessen. Daher blieb seine größte Waffe in den Niederungen Eichenaus zumeist stumpf und er schied in der ersten Runde in einem zum Ende hin äußerst nicklig geführten Match gegen seinen deutlich schwächer eingestuften Gegner Ingo Glaeser (LK9/TC Großhesselohe) aus. Gelegenheiten, diese Scharte auszuwetzen bieten sich aber sicher sehr bald. Dauerläufer Ulf Henke (LK6) hielt sich in der ersten Runde am Wildcard-Inhaber Aleksander Vulic (LK14/MTTC Iphitos München) schadlos und gab ihm „die Brille“. Dies gab Anlass zur Hoffnung auch gegen die Nummer sechs der deutschen Rangliste bei den Herren 45 und Nummer eins der Setzliste, Michael Austen (LK4/TC Schwaben Augsburg), bestehen zu können. Nach einem offen gestalteten ersten Durchgang ging Ulf im zweiten Satz etwas der Treibstoff aus und es stand plötzlich eine allzu klare 4:6 1:6-Niederlage zu Buche. Austen führte im anschließenden Viertelfinale gegen Huber im ersten Satz mit 4:1 und im zweiten Satz mit 5:1, konnte aber kurioserweise beide deutlichen Führungen nicht behaupten und verabschiedete sich daher mit einigen kreativen Schlägerwürfen und einer 6:7 5:7-Niederlage vorzeitig aus dem Turnier. Im Finale traf Huber dann auf seinen Vereinskollegen Reto Tietz (LK7) mit dem er ab diesem Sommer in der Regionalliga auf Punktejagd gehen wird. Reto, dessen sympathische Gelassenheit sich wohlig-wärmend wie ein paar Wollsocken über jegliches auftretendes Problem im Turnierstress stülpte, war der Überraschungsmann der Indoors. Das fleischgewordene Understatement schlug auf seinem Weg ins Endspiel vier deutlich höherklassierte Spieler und verbesserte seine Leistungsklasse somit in nur einem Turnier von sieben auf vier. Sehr stark! Besonders spannend erwies sich das Match gegen Steffen Maucher (LK3/Münchner Sportclub) im Viertelfinale, seines Zeichens DTB-Nr.19 bei den Herren 40 und Nummer zwei in Eichenau. In einer spannenden Auseinandersetzung hatte dieser bereits Matchball, unterlag aber kurz nach 0 Uhr Ortszeit noch mit 6:3 1:6 10:12, was in einer obszönen Geste gegenüber unserer gänzlich unschuldigen Hallenuhr gipfelte. Nach einem weiteren überraschenden Sieg im Halbfinale gegen Roland Hecker (LK4/TC Penzberg) war der sichtlich ausgelassen-heitere Reto im Finale dann wohl schon zu sehr mit sich zufrieden und es fehlte auch die letztendlich nötige Energie, um seinen ultrafitten Mannschaftskollegen in Bedrängnis zu bringen. So verbuchte Huber einen ungefährdeten 6:4 6:3-Sieg und durfte Siegerpott und Preisgeld ins Niederbayerische entführen.

Herren 50

Zum ersten Mal wurde dieses Jahr anstelle der Nebenrunde Herren 40 eine Herren 50-Konkurrenz angeboten. Aufgrund von Zeitproblemen entschieden wir uns ein 16er-Tableau mit 4 Freilosen zu spielen, das es aber in sich haben sollte. Der Cut lag bei LK7 und bereits vier Wochen vor Nennschluss hatten bereits deutlich mehr Spieler gemeldet als letztendlich zugelassen werden konnten. An Nummer eins der Setzliste stand Helmut Marzluf vom Neu-Ulmer TK Blau-Weiss (LK7/DTB-Nr.34 H55) gefolgt von Peter Simkovic vom TSV Altenfurt (LK7/DTB-Nr.51 H55). Insgesamt erwiesen sich die Indoors aber als kein gutes Pflaster für die Favoriten auf dem Papier. Alle vier Gesetzten schieden mehr oder weniger sang-und klanglos aus und durften nach ihrem ersten Spiel die Heimreise antreten. So auch Thomas Hechtl (LK7/DTB-Nr.90 H50), der sich gegen seinen alten Tennis-Buddy Christian Gollwitzer (LK7/TC-Rot Blau Regensburg) von Grippe und Rückenschmerzen gepeinigt als manövrierunfähig zeigte und nach einer 0:6 3:6-Klatsche die Segel streichen musste. Gollwitzer, dessen rechtmäßige Teilnahme am Herren 50-Bewerb von einigen Zuschauern (und auch Spielern:-) ob seines jugendlichen Aussehens in Frage gestellt wurde, spazierte anschließend mit einem souverän vorgetragenen 6:4 6:4 gegen Heiko Baumgart (LK7/TC Kottern) locker durchs Halbfinale und auch im Finale galt der Regionalligaspieler als Favorit. Hier fand er allerdings seinen Meister. Christian Kierst (LK7/TC Rot-Weiß Cham) trumpfte mit starken Aufschlägen, zahlreichen Assen, giftigem Slice und fortwährenden Netzattacken groß auf und sicherte sich trotz einiger „unforced errors“ von der Grundlinie mit einem 2:6 7:6 10:5 den Titel. Auch im Halbfinale musste er bereits einen Satzrückstand aufholen, reüssierte aber ebenfalls im MTB gegen Uwe Kornhass (LK7/TC Schwaben Augsburg) mit 3:6 7:5 10:6. Glückwunsch nochmals in die Oberpfalz zu dieser Ausdauerleistung!

Insgesamt war das Turnier wieder ein großer Erfolg. Am Samstag herrschte in der Halle rege Betriebsamkeit, was uns Organisatoren, die Teilnehmer und vor allem unsere Wirtsleute Taskeen und Wasseem sehr erfreute. Die Matches liefen in ihrer Gesamtheit sportlich-fair ab und so konnte OSR Hendrik Kalarus sich im wesentlichen darauf konzentrieren, höchst motiviert Pizza und Kaiserschmarrn zu vertilgen. Nächstes Jahr hoffen wir auf eine Höherstufung in die Kategorie S3 und eine noch stärkere Besetzung, dann auch mit einem vollen 16er-Feld bei den Herren 50. Vielleicht finden dann auch am Finaltag noch einige mehr Zuschauer den Weg in die Halle, denn das dargebotene Tennis der „alten Haudegen“ ist durchaus sehenswert und bayerische Spitze.

Fotos Eichenau Indoors